Der Urwelt- Mosaik- Skulpturenpfad Schwäbische Alb ist 20 Kilometer lang. Ein knappes Viertel davon hat Ruth Junginger als Beauftragte der SAV-Ortsgruppe für den Programmpunkt „Albwege und Urzeit“ am 27. Mai als eine Wanderung für die Liebhaber der Kunst-und Meereswelten ausgewählt. 30 Wanderer hatten sich zusammengefunden. Bei den Eglenseen ließ die frühere Standesbeamtin die Wandertour beginnen und blickte in überraschte Gesichter. Unter Seen hatten sich die auswärtigen Teilnehmer eine größere Wasserfläche vorgestellt. Ruth Junginger zeigte Verständnis, Seen aber nennt man sie in Gerstetten. Blutegel wurden einst in den beiden Himmelsteichen gehalten. Daher ihr Name. Der Apotheker setzte die Tiere früher zur Behandlung von Geschwüren ein. Dessen ungeachtet, musste eines der Gewässer in den fünfziger Jahren als Badesee herhalten. So mancher Gerstetter hat hier das Schwimmen gelernt. Claudia Matzkovits verwies auf eine im Wasser stehende Figur als „Hüterin des alten Wissens“, bei deren Betrachtung der Beschauer ins Jura-Meer abtauchen und sich im eigenen Sein wiederfinden könne. Zu künstlerisch ebenso anspruchsvollen Gedanken lud eine dreiteilige Skulptur am „Südufer“ ein, die den Urfisch verkörpert. Zuvor bereits hatte Claudia Matzkovits im Spielpark an der Goethestraße zu einer Sitzprobe eingeladen. „Sitz‘ hernieder und sinniere über das Leben“, riet sie unter dem Hinweis auf einen mit feiner Ornamentik ausgestatteten Stuhl. Traumhafte Weiten taten sich für die Wanderer nach einer kurzen Tour auf den Zinnen des 35 Meter hohen Wasserturms auf. Der Schönwetterdunst verwehrte den Blick zu den Alpen , die Alb selbst aber präsentierte sich unter klarblauem Himmel und dem satten Grün ihrer Wälder von ihrer besten Seite. Die am Himmel kreisenden Segelflieger ließen Sehnsüchte aufkommen. Über die Halde ging es vorbei an Schulzentrum und Kinderhaus zum Bahnhof. Dort betrachtete man ein weiteres Kunstwerk, das die einstige Tiefe des Jurameeres in drei modellhaft herausgearbeiteten Schichten veranschaulicht. 570 Arbeitsstunden wendete die Künstlerin auf , um mit Cuttermesser und von Hand geschnittenen Glasstücken dem Werk Ausdruck zu verleihen. Rainer Henneberger wartete indessen im Foyer des Riffmuseum auf seine Gäste. In seinen Räumlichkeiten ging es um die Kunst, die die Natur vor Millionen von Jahren selbst hervorgebracht hat. Die in Kalk eingebetteten Korallen lassen sich dank des wiederständigen Kiesels nur in Gerstetten und in Nattheim präparieren und „entkleiden“. Salzsäure löst das Fundstück vom Kalk. Die bekannteste unter den Korallen ist die Thecosmilia, eine versteinerte Schönheit, die einst in Gerstettens Unterwelt geboren wurden. Angesichts seiner anschaulichen Vortragsweise und seines fundierten Wissens hatte Rainer Henneberger am Samstag seine Fan-Gemeinde um etliche Bewunderer vergrößern können. Den Dettinger Kaffeebus hatte Gabriele Bächtle am Bahnhof parken lassen. Sie war für die Reise durch das Gerstetter Urmeer von der bürgerlichen Gemeinde aus zuständig. Die Bordküche war reichlich bestückt und wer sich für Kunst des Präparierens interessierte , der war bei Alfred Kühner und seiner fahrbaren Werkstatt an der richtigen Adresse. (bi)